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Offener Brief von Studierenden der Universität Erfurt an das Studierendenwerk Thüringen

Um auf die teils katastrophalen Lebensbedingungen in den Studierendenwohnheimen aufmerksam zu machen – in denen besonders internationale Studierende hausen – wendet eine Gruppe Studierender sich in einem offenen Brief an das Studierendenwerk Thüringen. Gern veröffentlichen auch wir die Bekanntmachung.

Hier geht es zur Petition der Initiative. Eine deutsche Version ist unten angehängt.

To Whom It May Concern,

With the recent reports of unknown intruders in the student dormitories, the unsafe and unacceptable living conditions that many students experience in many of the dorms offered by STW, especially in Plauener Weg and Donaustraße, must be evaluated and addressed by STW immediately.

Students living in the aforementioned dorms have been living in conditions that threaten their well-being, rights to privacy and access to timely maintenance and English-speaking support.  

Responses to most maintenance requests in these buildings have lapsed for months, including mailbox, heater, outer-door, and plumbing repairs. The majority of the students living in these dorms are not German-speaking and are not provided with English-speaking support from the Hausmeister, which is indicative of discriminatory institutional processes that need immediate attention.  

Maintenance requests have been addressed only after serious safety infractions have already occurred. For example, the entrance door to Plauener Weg was only repaired after the report of a trespasser who accessed a female student’s apartment by impersonating a repair man. In this instance, the intruder engaged in sexual harassment and inappropriately touched this person without consent. We find this infraction completely unacceptable, and that the lapse in professional and timely response to maintenance requests endangers the students living in these dorms. There are other residents who have reported their room entrance doors broken and have not received maintenance for an elapsed two months, even after repeated requests. It is the express responsibility of the STW to address these issues BEFORE they endanger a student.

We are strongly urging the STW to take these demands seriously and to make significant and immediate changes to the process in which the STW responds to maintenance requests in Plauener Weg and Donaustraße. We request that (1) an English-speaking contact be assigned to dorms that host international students, that (2) maintenance be performed within a week of the request and that (3) students be notified in writing with a schedule for expected repairs and any expected repair persons that may need access to the room ahead of the repair.

We think these requests are completely reasonable in the effort to protect students and provide them with right to privacy, safety and access to basic resources. In the event that these requests are not recognized or validated, we will seek recognition for our grievances outside of the STW framework.   

Sincerely,

Students of the University of Erfurt

___________

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Zuge der jüngsten Berichte über unbekannte Eindringlinge in Studierendenwohnheimen sollten die unsicheren und inakzeptablen Lebensbedingungen, die viele Studierende in vielen der von der STW angebotenen Wohnheime, insbesondere im Plauener Weg und in der Donaustraße, erleben, von der STW sofort untersucht und Lösungen angeboten werden.

Die Studierenden, die in den oben genannten Wohnheimen leben, leben unter Bedingungen, die ihr Wohlbefinden, ihr Recht auf Privatsphäre und ihren Zugang zu Instandhaltung nach angemessener Frist sowie zu englischsprachigen Kontaktpersonen nicht ausreichend gewährleisten.  

Auf eine große Mehrheit der schriftlichen Mängelanzeigen in diesen Gebäuden erfolgte monatelang keine Reaktion, einschließlich der Reparatur von Briefkästen, Heizungen, Außentüren und Sanitäranlagen. Die Mehrheit der Studierenden, die in diesen Wohnheimen leben, ist nicht deutschsprachig und erhält keine englischsprachige Unterstützung durch den Hausmeister, was auf diskriminierende institutionelle Prozesse hinweist, die sofortige Aufmerksamkeit erfordern.  

Instandsetzungsforderungen wurden erst angegangen, nachdem bereits schwerwiegende Sicherheitsverstöße aufgetreten sind. So wurde z.B. die Eingangstür zum Plauener Weg erst repariert, nachdem ein Eindringling gemeldet wurde, der in die Wohnung einer Studentin eindrang, indem er sich als Handwerker ausgab. In dem beschriebenen Fall wurde eine Studentin durch einen Mann sexuell belästigt, indem er die Studentin ohne ihre Zustimmung unangemessen berührte. Wir vertreten die Meinung, dass dieser Vorfall völlig inakzeptabel ist und dass der Mangel an professioneller und rechtzeitiger Reaktion auf Wartungsanfragen die Studierenden, die in diesen Wohnheimen leben, gefährdet. Andere Bewohner*innen meldeten, dass ihre Zimmertüren kaputt sind und erhielten auch nach wiederholten Anfragen zwei Monate lang keine Wartung. Es ist die ausdrückliche Verantwortung der STW, diese Probleme anzugehen, BEVOR sie Studierende gefährden.

Wir fordern die STW nachdrücklich auf, diese Forderungen ernst zu nehmen und den Prozess, mit dem die STW auf Wartungsanfragen im Plauener Weg und in der Donaustraße reagiert, maßgeblich und sofort zu ändern. Wir fordern, dass (1) den Wohnheimen, in denen internationale Studierende wohnen, eine englischsprachige Kontaktperson zugewiesen wird, dass (2) Wartungsarbeiten innerhalb einer Woche nach der Anfrage durchgeführt werden und dass (3) die Studierenden in Form eines Zeitplans für die zu erwartenden Reparaturen und Informationen zu Handwerker*innen, die möglicherweise im Zuge der Reparatur Zugang zum Zimmer benötigen, benachrichtigt werden.

Wir sind der Meinung, dass diese Anforderungen völlig angemessen sind, um die Studierenden zu schützen und ihnen das Recht auf Privatsphäre, Sicherheit und Zugang zu grundlegenden Ressourcen zu gewähren. Im Fall, dass auf diese Forderungen keine Reaktion erfolgt, werden wir die Beschwerde über den STW-Rahmen hinaus weiterleiten.

Mit freundlichen Grüßen,

Studierende der Universität Erfurt

1 comment

  1. Ahoy. Ich habe dort selbst als deutsche Studentin fast 2 Jahre zusammen mit Austauschstudierenden gewohnt und kann das „nur“ teilweise bestätigen – triggered. Als Ansprechpartner:innen stehen zumindest im Plauener Weg i.d.R. 2 Wohnheimtutor:innen zur Verfügung, auf welche u.a. im Foyer, aber auch beim Einzug aufmerksam gemacht wird (Punkt 1); man kann sich übrigens auch freiwillig für sowas melden 😉 Da sollte inzwischen auch eine Art Aufenthaltsraum sein, wo die anzutreffen sind. Auf umfangreiche Hausmeisterarbeiten mit Wohnungs-/Zimmerzutritt wird im Regelfall via E-Mail aufmerksam gemacht, z.B. wie dies bei der Installation der Rauchmelder der Fall war. Allerdings kam es manchmal vor, dass ohne zu Klopfen der Hausmeister in das Zimmer eintrat (unabhängig davon, aus welchen Gründen auch immer; einmal hieß es, um zu schauen, ob das Zimmer frei sei); außerdem gibt es im Plauener Weg z.B. keine Schlüssel für die Bäder, weshalb auf gleichgeschlechtliche WGs gesetzt wird. An den Eingangstüren hing normalerweise immer ein Zettel, dass man diese schließen soll, um den Zutritt unbefugter Personen zu vermeiden (immerhin). Dennoch stehen auch die Wohnungstüren selbst oftmals auf, da der Flur als Abzug beim Kochen genutzt wird (kein Fenster in der Küche oder Abzugshaube). Bei Reparaturen kommt man besser weg, wenn man den Hausmeister direkt anruft; der allerdings schlichtweg überhaupt kein Englisch sprechen kann (der ehem. Hausmeister des AW-P übrigens auch, aber er war der liebste Mensch). Die Hausmeister sind leider teilweise für zwei Wohnheime o.Ä. Ansprechpartner und kommen mit den Reparaturen leider kaum hinterher – es herrscht akuter Personalmangel (ein Grund für meinen Einzug waren u.a. die extrem günstigen Mieten und die dennoch gute Wohnqualität und auch bei meinen Mitbewohnerinnen hat die günstige Miete vieles wett gemacht…). Aber v.a. bei den Internationals geht ständig was kaputt, weil sie teils auch mit dem Umgang nicht so vertraut sind und die Geräte naja, alt. Als einmal der Herd im ganzen Wohnheim ausfiel, hatte jede Wohnung aber innerhalb von 1 oder 2 Tagen mobile Herdplatten zur Verfügung gestellt bekommen. Punkt 2 ist unter den Umständen schier unerreichbar, nicht einmal in den anderen Wohnheimen (bezogen auf den Campus, aber auch z.B. in Jena oder Hamburg – whatabout) sind die Reparaturen so fix fertig (eigene Erfahrung und Erfahrungsaustausch), was die Situation oder die Vorfälle nicht entschuldigen soll, aber das Gesamtbild sollte betrachtet werden. Zu Punkt 3: der Hausmeister bekommt am Tag zig Beschwerdezettel in seinen Briefkasten (ich bin mir nicht sicher, ob er den englischsprachigen Text entziffern kann oder einfach direkt zu den Wohnungen geht und fragt was kaputt sei, wenn er Zeit hat und ich denke auch nicht, dass er einen Computer bedienen kann und einen Haufen E-Mails schreiben kann, wo er denn dann als nächstes auftaucht – ein umfangreicheres Monitoring und ein Gespräch mit dem Hausmeister/den Hausmeistern wäre ein guter Schritt).

    Liebe Grüße und viel Liebe nach Erfurt

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