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Und plötzlich doch nicht mehr so bunt?

Uns allen ist mittlerweile klar, dass die laufende Pandemie verheerende Folgen für viele Branchen hat. Neben der Hotellerie und der Veranstaltungsbranche, betrifft dies auch die bildenden Künstler*innen aus Erfurt. Wie sieht jetzt eine Arbeit, die normalerweise gemacht wird, um von der Öffentlichkeit betrachtet zu werden, in Zeiten von Social Distancing und Home Office aus? Wie fühlen sich die Schöpfer*innen hinter den Bildern? Hat die Pandemie einen Einfluss auf die darstellende Kunst? Und welche Alternativen existieren momentan für die Kunstschaffenden? Um diese Fragen zu beantworten, begab ich mich mit zwei Kulturakteuren*innen aus Erfurt, Johannes Gräbner und Annekatrin Lemke, in ein Gespräch.

Kreativ sein, in Zeiten von Ungewissheit und Einschränkungen, klingt zunächst nach einer großen Herausforderung. Denn woher möchte man sich Inspiration holen, wenn doch alles um einen herum auf ein Minimum reduziert ist? Auch die Arbeitsweise, könnte man vermuten, müsste unter den Umständen leiden. Umso erstaunter war ich, als Annekatrin Lemke mir schilderte: In meinen Arbeiten beschäftige ich mich mit Farben, Flächen und Formen und den wechselseitigen Beziehungen, die diese miteinander eingehen. Ich erforsche, wie diese miteinander interagieren -auf verschiedenen Ebenen und unter dem Einfluss von Licht, Struktur und dem Einsatz grafischer Elemente- in Holz, Papier oder Metall. An dieser Arbeitsweise hat sich durch die Pandemie nichts verändert.

by Annekatrin Lemke

Anscheinend ist es keine Ausnahme, dass sich trotz der besonderen Zeiten, nichts am Stil geändert hat. Denn auch Johannes Gräbner berichtete davon, dass seine Kunstrichtung gleichgeblieben sei, höchstens sei sie etwas sachlicher geworden.

Worin sich beide jedoch einig waren, ist das der Austausch mit Kolleg*innen und dem Publikum fehle. „Natürlich bekommt man auch via Instagram ein Feedback“, so Johannes Gräbner, „jedoch ist es nicht das Gleiche.“. Dies lege vor allem auch daran, dass die Farben und Formen in der digitalen Welt anders aussehen als in der Realität. Das wiederum beeinflusst natürlich auch die Wahrnehmung der Betrachtenden. „Es ist eher ein Ersatz, um zu zeigen, dass man noch etwas macht.“. Auch der Besuch von Theatern, Kinos oder Konzerten fehle laut den Künstler*innen, da es die Kreativität sehr fördere.

Wie sieht es nun aber in Zeiten von Social Distancing mit Vernissagen aus?

Gerade in der Pandemie, sind Veranstaltungen in der Form von früher derzeit nicht durchführbar. „Bereits aufgebaute Ausstellungen konnten gar nicht mehr oder nur online besucht werden und geplante Ausstellungen wurden verschoben- das macht es natürlich schwerer, Arbeiten zu verkaufen.“ erzählte Annekatrin Lemke. Auch in der Kunstszene musste man hier sehr flexibel werden. Johannes Gräbner berichtete mir von Vernissagen, die online stattfinden und wie kreativ die Menschen geworden sind. Jedoch ersetzte dies für ihn nicht das direkte Feedback und die Unterhaltungen zwischen Künstler*innen und Betrachter*innen. Es fehle ihm vor allem die soziale Dynamik, denn dadurch entdecke man sich neu und hätte den Impuls weiter zu machen. Doch ohne die Ausstellungen, wie sie vor dem Virus stattgefunden hatten, bliebe die Motivation schon mal aus.
Auch Annekatrin Lemke findet:

Ausstellungen online durchzuführen, ist in dieser Zeit auf jeden Fall eine Option und es ist gut, dass es diese Möglichkeiten gibt. Auch spannende Führungen und Künstlergespräche finden ja derzeit online statt. Trotzdem können Onlineangebote meiner Meinung nach weder das direkte Erlebnis eines Ausstellungsbesuches ersetzen noch den persönlichen Kontakt zwischen den Künstler*innen untereinander oder zwischen Künstler*in und Besucher*in.

Jedoch habe durch den Wegfall der direkten Ausstellungen, die Solidarität im Bereich der Kunstszene zugenommen. „Gerade Bekannte oder Leute, die einen auf einer Messe schon mal gesehen haben, haben angefragt, ob sie ein Bild kaufen können, um aus dem persönlichen Interesse heraus etwas für die Künstlerschaft zu machen.“ erzählte Johannes Gräbner. Somit könne er ohne Ausstellungen wenigstens ein paar Bilder verkaufen. Weiterhin bleibt es für ihn aber doch frustrierend, nicht sehen zu können, wie seine Betrachter*innen auf die Kunst reagieren. Deshalb freut er sich umso mehr, wenn Leute vor seinem Atelier durch die Schaufenster blicken und er beobachten kann, wie sie die Kunst wahrnehmen.

Was bringt die Zukunft für diese Branche mit sich?

Natürlich lässt sich das nicht vorhersagen und man kann nur darüber spekulieren. Durch die Pandemie wird die Kreativität gefördert, was viele Alternativen, wie beispielsweise zusätzliche online Ausstellungen für die Zukunft mit sich bringt. Generell ist man, als bildende*r Künstler*in in gewisser Hinsicht freier als die Veranstaltungsbranche, aber durch Corona ist man noch mehr Überlebenskünstler*in als vorher. Viele Kollegen*innen, die Johannes Gräbner kennt, haben sich neben der Kunst glücklicherweise noch ein zweites Standbein aufgebaut. Da die Einnahmen manchmal doch nicht reichen. Es ist also momentan für Künstler*innen ohne Nebeneinkünfte umso schwerer, Einnahmen zu generieren, vor allem wenn sie vorher noch keinen ausreichenden kommerziellen Erfolg hatten.
Jedoch hoffen Beide, dass es bald wieder gefüllte Ausstellungen geben wird und freuen sich auf die Zeit nach der Pandemie!

Abschließend kann man sagen, dass die Kunst zur momentanen Zeit bunter ist als gedacht. Sie lässt sich durch den Lockdown und den einhergehenden Bedingungen nicht unterkriegen!

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