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“Einer macht das schon!” – Aber was wenn nicht?

“Hochschulpolitik” klingt erstmal etwas trocken und nach anstrengender Arbeit, das muss aber nicht sein. Da vielen von uns momentan der Bezug zum Campusleben fehlt, haben einige vielleicht ein sehr abstraktes Bild von so etwas wie „FSR“, auch wenn man es schon mal gehört hat. Fast jede Fachschaft an der Uni hat einen Fachschaftsrat, als studentische Vertretung und Brücke zwischen den Studierenden und der Lehre. Es geht dabei also viel mehr um das Verwirklichen cooler studentischer Projekte, Ideen, Visionen und Interessen, als um “langweilige formale Arbeit”. Nicht ohne Grund machen die Mitglieder das schließlich freiwillig.

Aber was passiert, wenn die studentische Vertretung keinen Campus mehr hat, um sich zu zeigen?

Das sieht man zum Beispiel in trauriger Weise am Fachschaftsrat der Philosophie. Was die meisten nicht wissen: Der existierte ein volles Jahr einfach nicht. Der ehemalige Philo-FSR bestand, wie der jetzige, aus drei gewählten Mitgliedern. Diese beendeten ihr Studium und es fanden sich keine Nachfolger:innen. Die drei versuchten den Fachschaftsrat so gut es ging weiterzuführen, doch irgendwann fehlte ihnen die Zeit und er löste sich unbemerkt auf.

Unter normalen Umständen wecken die Fachschaftsräte Interesse und Engagement, indem ihre Mitglieder zu Semesterbeginn durch die Hörsäle der Uni spazieren und sich den Studierenden vorstellen. Zusätzlich veranstalten sie über das ganze Semester Partys, Gastvorträge oder Colloquien und Diskussionsrunden mit Dozierenden und Student:innen, welche auch gern später am Abend bei einem kühlen Bier weitergeführt werden. Durch die Pandemiebedingungen war all das leider nur begrenzt möglich, wodurch die studentische Vertretung viel Präsenz verlor und so auch der Fachschaftsrat Philosophie in Vergessenheit geriet.

Nun aber beleben die neuen Vertreter:innen der Philos – Julia, Franziska und Hannes – die Institution wieder und haben einiges vor. Um herauszufinden, wie der FSR reanimiert wurde und wie er jetzt aussieht, habe ich mal in die Sitzungen reingeschnuppert und mir von Julia erzählen lassen, was ihre Mission ist: Nachdem die drei gewählt waren, erstellten sie die neue Website und nahmen an der Seminarratssitzung teil, wo sie bei den ersten Entscheidungen mitwirken konnten, indem sie mit den Lehrenden die angebotenen Seminare des Semesters auswählten. Der eine oder andere entspannte Abend mit den Dozent:innen soll auch stattfinden, sobald die Situation es wieder zulässt.

Am 05. Mai gab es schließlich die erste Vollversammlung des neuen Fachschaftsrats, zu der aber nur ernüchternd wenig Studis kamen. Dennoch waren die drei Mitglieder motiviert und stellten sich sehr überzeugend vor: „Wir wollen den FSR Philosophie wieder sexy machen.“ Sie wollten auch direkt die Ideen, Wünsche und Anliegen der Anwesenden hören, denn um sich zurück auf die Agenda der Philos zu bringen, war die Website nur der erste Schritt. Hinterher kam dann auch eine Instagram Page und ein Newsletter.  

Die Homepage steckt noch in den Kinderschuhen und füllt sich erst langsam mit Inhalten, aber man findet schon eine Kurzvorstellung der drei Mitglieder, einen Leitfaden für Hausarbeiten und – für sie ganz wichtig – das Anti-Diskriminierungsreferat. Dem Philo-FSR ist es ein großes Anliegen, nicht nur Ansprechpartner für Probleme mit Veranstaltungen und Lehrenden auf formaler Ebene zu sein, sondern auch bei jeder Form von Diskriminierung oder Übergriffen durch Dozierende oder Kommiliton:innen eine Anlaufstelle für die Studierenden zu bieten. Julia, Franziska und Hannes haben immer ein offenes Ohr und freuen sich auch über alle Ideen der Studis für ihre Website, Veranstaltungen und Gastvorträge.

Da der Fachschaftsrat so neu und klein ist, ist er total flexibel und frei in seinem Handeln, denn durch den Neuanfang gibt es noch keine gefestigten, eingefahrenen Strukturen. Ganz nach dem Motto „Alles ist möglich“ kann jede:r sich beliebig einbringen, mitwirken und nach eigenem Wunsch das Studi- und Campusleben mitformen. Außerdem haben die FSRs als studentische Vertretung die Möglichkeit sich für uns bei den Dozierenden einzusetzen, sie auch mal zu kritisieren und über die Veranstaltungen der nächsten Semester mitzuentscheiden. Als Stimme der Studierenden sind sie somit essentiell, wenn unsere Vorstellungen mit in die Planung der Lehre einfließen sollen.

Ein FSR ist nicht einfach nur formale Politiksache, sondern er will uns das Leben einfacher und abwechslungsreicher machen.

Es geht darum, dass Wir unsere Leben als Studierende prägen, auch außerhalb der Lehrveranstaltungen. Doch für die Planung und Umsetzung von Partys, Colloquien, oder was ihr sonst noch für Ideen habt, ist Unterstützung notwendig. Man muss kein gewähltes Mitglied sein und auch nicht jede Woche zur Ratssitzung gehen, um mitzuwirken. Freiwillige mit Motivation und innovativen Ideen sind immer gern gesehen und je mehr sich engagieren, desto mehr Projekte können auf die Beine gestellt werden. Unsere Vertreter:innen wollen schließlich wissen, was wir wollen und brauchen, um uns entsprechend repräsentieren zu können. Auch dem Philo-FSR juckt es nun in den Fingern und er will seinen neugewonnenen Einfluss für seine Studis einsetzten. Dafür müsst ihr ihm aber sagen wie!

Vom 14.–25. Juni sind aktuell StuRa- und FSR-Wahlen und auch unsere Philovertreter:innen stellen sich noch einmal auf. Doch Bachelorarbeit und Studienabschluss rufen bereits ihre Namen. Um zu verhindern, dass die Wiederbelebung des Philosophie-Fachschaftsrats umsonst war, braucht es für nächstes Semester also weiteres Engagement und ein paar Nachfolger:innen, damit die Philos weiterhin eine Stimme haben und Weihnachtsfeier, Maigrillen und anregende Diskussionsrunden in angenehmer Gesellschaft (hoffentlich bald) wieder stattfinden können.

Der Philo FSR möchte in Zukunft eine Plattform für seine Studierenden sein, die es so in Erfurt noch nicht gibt, mit weiteren Referaten und aktiver Mitgestaltung am Campusleben, auch als kleiner Fachschaftsrat. Sehnsüchtig warten die drei Mitglieder auf helfende Hände und Köpfe mit neuen Visionen aus allen Semestern. Diese braucht er auch, wenn er einen Eindruck hinterlassen will. Mit Julias Worten: „Macht mit! Umso mehr wir sind, desto cooler und einfacher wird es.” Nachdem wir nun so lange Zeit hinter grauen Kacheln eingesperrt waren, wünschen wir uns wohl alle wieder ein Student:innenleben nach unseren Vorstellungen.  Genau dafür warten die Fachschaftsräte und Gremien der Uni Erfurt mit offenen Türen, ob in virtuellen oder echten Räumen, auf ihre Studierenden.

Sollte nun die Neugierde oder der Tatendrang geweckt sein: Auf Moodle und der Uni-Website finden sich Infos zur Hochschulpolitik und Links zu den Seiten aller Fachschaftsräte. Also einfach mal vorbeischauen!

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