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Die Thuringia Bulls – ein Team an der Spitze des deutschen Rollstuhlbasketballs

Für die heutige Reportage hat sich unsere Autorin Nina intensiv mit dem Rollstuhlbasketballverein der Thuringia Bulls beschäftigt und berichtet von ihren Erfahrungen als Besucherin eines Auswärtsspiels, ihren persönlichen Erkenntnissen bei einem Probetraining und ihrem Interview mit dem Center des Teams, Hubert Hager.

Es ist der 30. Oktober 2021, der Tag vor Halloween und viele meiner Freund:innen schmücken sich gerade mit schön-schaurigen Gewändern, während ich im Nieselregen mit meinem Rad durch Gispersleben bei Erfurt fahre. Wohin ich will? Zur Trainingshalle der Thuringia Bulls. Wer die Thuringia Bulls sind? Eins der besten Rollstuhlbasketballteams der Welt. Warum du das nicht schon vorher wusstest? Keine Ahnung.

Ich treffe um 15 Uhr im Vorraum des Fit Inns in Elxleben ein. Hier trainieren nicht nur die Thuringia Bulls, sondern auch die Erfurter Löwen, die Herrenbasketballmannschaft, welche in der zweiten Bundesliga (ProB) spielt. Im Hintergrund ist eine Menschengruppe bei den Bowlingbahnen beschäftigt, ansonsten ist die Eingangshalle ziemlich leer. Ich spreche eine Frau hinter der Kaffeetheke an. Klar könne ich mit im Fanbus zum Auswärtsspiel nach Wetzlar (in der Nähe von Gießen) kommen. Dort wird heute nämlich der amtierende Deutsche Meister – die Thuringia Bulls – auf den amtierenden Champions League-Sieger – RSV Lahn-Dill – treffen. Ich solle mir keinen Stress machen, der Bus fahre erst in einer Stunde los.

Als Neuling in der Fangemeinschaft

Wow, ich bin also echt früh dran. Gut, dass ein Großteil der Menschen, die mit dem Fanbus fahren, einen relativ hohen Altersdurchschnitt hat und so bin ich nicht die Einzige, die bereits eine Stunde vor Abfahrt da ist. Ein älteres Ehepaar sitzt schon an einem der Tische im Café. Die beiden sind seit etwa 12 Jahren treue Fans des Basketballteams. Sie erzählen mir, wie der Verein anfangs noch ein kleiner Dorfverein war, der in Kinderschuhen steckte, und sich nach und nach zu einem so erfolgreichen Verein entwickelte. Allmählich trudeln immer mehr Menschen im Café ein, die meisten scheinen sich zu kennen oder zumindest schon einmal begegnet zu sein. Ein Paar bringt die großen Trommeln mit, mit denen das Team im Stadion angefeuert wird. Die Stimmung wirkt ausgelassen, hier und da wird sich über das letzte Spiel unterhalten. Als das Geld für die Tickets eingesammelt wird, gibt es einen kurzen Austausch darüber, dass im Westen 15 Euro für die Eintrittskarten verlangt wird, während die Thüringer Vereine ihre Tickets für nur 12 Euro verkaufen – „dabei sind die doch eh schon reicher“ – Gelächter. Noch ein Gruppenfoto vor dem Bus, kurzes Abchecken der 2G-Regel und dann geht die Fahrt auch schon los.

Die Fangruppe und ich vor unserer Abfahrt in Elxleben

Knapp drei Stunden, einen „Feigling“, einen „Klopfer“ und zwei Schmalzbrote mit saurer Gurke später (gesponsort vom Fanclub der Bulls) kommen wir in Wetzlar an. Ich bin zu Beginn noch etwas matt von der Fahrt, die Müdigkeit vergeht jedoch schnell als ich die große Halle mit den zahlreichen Fans davor erblicke – das sind nämlich echt viele für eine 53.000-Einwohner-Stadt. Allgemein wird hier anscheinend viel in Rollstuhlbasketball investiert. So war der RSV Lahn-Dill schon 13 Mal deutscher Meister und hat mit Thomas Böhme einen der schnellsten Rollstuhlbasketballer der Welt im Team. Aber auch die Thuringia Bulls sind unter anderem mit Jitske Visser, der Paralympics-Goldsiegerin aus den Niederlanden, gut aufgestellt.

Eins der wichtigsten Spiele der Saison

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn betreten wir die Halle, in der sich, laut Thüringer Allgemeine, über tausend Zuschauer:innen auf den Rängen tummeln. Die Spieler:innen der beiden Teams wärmen sich bereits auf dem Spielfeld auf. Die Tribünen sind nun alterstechnisch deutlich durchmischter. Einige der Besucher:innen sitzen selbst im Rollstuhl, der Großteil der anwesenden Fans ist aber zu Fuß unterwegs. Ich finde mich im Fanblock der Thuringia Bulls ein, wo mir ein junges Paar freundlicherweise den Platz neben sich anbietet. Die beiden sind vollkommen begeistert, dass ich als Neuling den weiten Weg nach Wetzlar auf mich genommen habe. Doch dieses wichtige Spiel wollte ich mir nicht entgehen lassen: Schließlich spielen hier die beiden Tabellenersten gegeneinander. Auch Hubert Hager, einer der Spieler des Teams, hatte mir im Vorfeld mitgeteilt, dass es sich hier um eins der wichtigsten Spiele der Saison handele – und man das nicht missen sollte.

Die Thuringia Bulls während der Eingangsshow beim Spiel in Wetzlar: hier noch in weißen Trainingsshirts, später in blau auf dem Spielfeld
Einteilung der Spieler:innen anhand eines Punktesystems

Meine Sitznachbarn geben mir viele Informationen über die Spielregeln. Da ich in meiner Freizeit selbst Basketball spiele und sich dessen Regeln größtenteils nicht vom Rollstuhlbasketball unterscheiden, bin ich mit den meisten vertraut. Viel mehr interessiert mich das Punktesystem mit dem die Spieler:innen – je nach Schwere ihrer Behinderung – eingewechselt werden. Marcel Bube, der neben mir sitzt, engagiert sich viel beim Verein und ist Mitarbeiter in der Vereinsverwaltung. Er erklärt mir, dass jede:r der Sportler:innen eine individuelle Punktzahl hat, abhängig davon, wie stark die jeweilige Behinderung ist. Wenn man also als körperlich uneingeschränkter Mensch Rollstuhlbasketball spielt, hat man 4,5 Punkte. Jemand, der hingegen im Rücken gelähmt und dessen Beweglichkeit der Arme eingeschränkt ist, hat meist einen Punkt.
Insgesamt dürfen pro Team nur 14,5 Punkte auf dem Spielfeld sein, die sich auf die fünf Spieler:innen verteilen. Hiermit soll bewirkt werden, dass die Teams einigermaßen ausgeglichen spielen können und ähnliche Grundvoraussetzungen zur Leistungserbringung haben. Da in den nationalen Ligen Frauen und Männer gemischt in Teams spielen (im Gegensatz zu internationalen Wettbewerben), bekommen Frauen zusätzlich 1,5 Punkte von ihrer persönlichen Punktzahl abgezogen.

Das Team während einer Auszeit mit Trainer Michael Engel (Mitte hinten)
Internationale Aufstellung

Bei den Thuringia Bulls sind alle körperlich eingeschränkt, obwohl das keine Vorgabe ist. Grundsätzlich kann jeder bei Rollstuhlbasketballteams mitspielen. Lediglich auf internationaler Ebene, wie zum Beispiel bei der Europameisterschaft oder den Paralympics, ist eine Minimalbehinderung Grundvoraussetzung, um mitspielen zu dürfen.

Erstaunlich ist, wie international die Thuringia Bulls aufgestellt sind: Die Spieler:innen kommen aus Spanien, Österreich, Schweden, den USA, Weißrussland, Lettland, den Niederlanden, dem Iran und Deutschland. Sie sind alle für das Team nach Elxleben oder Erfurt gezogen.

Dylan Fischbach (aus den USA und laut meiner Sitznachbarin bester Spieler des Teams) beim Wurf von der Drei-Punkte-Linie
Knappe Niederlage nach spannendem Spiel

Während des Spiels überrascht mich, wie offensiv die Personen mit den Rollstühlen ineinander fahren, sie fallen durch ihren körperlichen Einsatz mitunter samt Rollstuhl um. Man merkt, dass Lahn-Dill und die Bulls beides Top-Teams sind, die an dem Abend keine Chance vorbeiziehen lassen. Nach Ende des dritten Viertels sind die Mannschaften mit einem Punktestand von 54:54 immer noch gleich auf. Gegen Ende des Spiels fiebert die ganze Halle mit und der Fanblock der Thuringia Bulls erhebt sich in den letzten Minuten, um die Mannschaft, die inzwischen hinten liegt, anzufeuern. Schließlich verlieren die Bulls knapp mit 69:71. Nach dem Spiel machen wir uns zügig – vorbei an vier Spielern des RSV Lahn-Dill, die gerade in der Eingangshalle interviewt werden – auf den Weg zum Bus.

Nicht selten fallen Spieler:innen samt Rollstuhl um. Wenn sich die Person nicht durch eigene Kraft aufrichten kann, eilt immer schnell jemand aus dem eigenen oder gegnerischen Team herbei, um zu helfen.
Spieler des RSV Lahn-Dill beim Interview nach dem Spiel gegen die Thuringia Bulls

Auf der Rückfahrt wird lautstark über das Spiel diskutiert. „Die haben heute scheiße gespielt und das wissen sie auch“, sagt ein Mann hinter mir. Ich fand es eigentlich sehr beeindruckend, habe aber natürlich keinen Vergleich zur Leistung der Thuringia Bulls an anderen Tagen. Zwar habe ich schon oft bei Basketballspielen zugeschaut, jedoch noch nie bei einem Rollstuhlbasketballspiel und eins kann ich jetzt mit Sicherheit sagen: Von der Spannung beim Zuschauen nehmen sie sich gegenseitig nichts. Wieder wird Eierlikör herumgereicht und ich merke, wie dankbar ich dafür bin, dass mich die Fangemeinschaft den ganzen Abend über ohne großes Hinterfragen angenommen und eingeladen hat. Um 24 Uhr kommen wir schließlich wieder in Elxleben an, wo ich mich von den anderen verabschiede und übers dunkle Feld zurück nach Erfurt fahre.
Ich freue mich auf die kommende Woche, da habe ich eine Verabredung mit Hubert Hager, dem Center des Teams (diese Position belegt bei einem Angriff meist die Stellung unterhalb des gegnerischen Korbs), um ihn über seine Karriere auszufragen. Außerdem wurde ich eingeladen, mich selbst in den Rollstuhl setzen, um beim Training der zweiten Mannschaft der Bulls einen besseren Einblick in die Sportart zu bekommen.

„Sonst landest du am Ende wirklich noch im Rollstuhl“

Als ich eine Woche später wieder das Fit Inn in Elxleben betrete, bin ich etwas nervös: Wie werden mich die anderen Spieler:innen annehmen? Wirkt es abgehoben, wenn ich mich aus „Spaß“ für zwei Stunden in einen Rollstuhl setze, um mitzuspielen? Außerdem bin ich doch noch nie mit einem Rollstuhl gefahren.
Meine Sorgen werden mir bereits genommen, als ich einen jungen Mann anspreche, der mit Krücken an mir vorbei geht. Er beschreibt mir den Weg zu den Umkleidekabinen und ist erfreut, dass wir durch meine Anwesenheit heute zu sechst sind – genug für ein kleines Match. Ich bin erleichtert und werfe schon mal ein paar Körbe, bevor die anderen vier Männer eintreffen (ich bin natürlich mal wieder sehr früh dran). Auch Hubert trainiert mit uns, obwohl er ja eigentlich in der ersten Mannschaft spielt. Wir suchen einen passenden Rollstuhl für mich heraus. Ich soll meine Beine immer schön festschnallen und aufpassen, dass sie nicht aus den Schlaufen rutschen: „Sonst landest du am Ende wirklich noch im Rollstuhl“, witzeln die anderen aus der Mannschaft.

Schwierigkeiten beim Dribbeln und im Umgang mit dem Rollstuhl

Nach kurzem Aufwärmen spielen wir auch schon in Teams gegeneinander. Da wir in meiner Damenmannschaft normalerweise nur auf einen Korb spielen, wenn wir zu sechst sind, bin ich überrascht, dass wir nun das ganze Feld benutzen. Aber klar: mit dem Rollstuhl ist man ja eigentlich schneller unterwegs. Eigentlich… Für mich trifft das natürlich nicht zu. Manchmal fahre ich in die komplett falsche Richtung oder rückwärts anstatt vorwärts. Trotzdem sind alle im Team sehr nett und unterstützen mich. Von meinen Teamkollegen wird mir mehrmals der Weg freigehalten (indem sie sich mit ihren Rollstühlen vor die Spieler des Gegnerteams stellen), sodass mir sogar ein paar Korbleger gelingen.
Das Dribbeln stellt sich jedoch als deutlich schwieriger heraus als erwartet. So muss man spätestens nach zweimaligem Anschubsen des Rollstuhls einmal dribbeln. Wenn ich versuche, nur mit einer Hand zu dribbeln und mit der anderen Hand anzuschieben, fahre ich meist im Kreis um mich selbst. Wenn ich aber dribble, den Ball anschließend in meinen Schoß lege und danach mit beiden Händen anschiebe, bin ich nur sehr langsam unterwegs. Hierfür ist lange Übung notwendig: Einer aus dem Team – der normalerweise nicht im Rollstuhl sitzt – erklärt mir, dass er eineinhalb Jahre lang gebraucht hat, um zu lernen, den Rollstuhl gut zu beherrschen.

Angst vor dem Fall

Ich bin auch noch sehr unsicher beim Kontakt zu den anderen Spieler:innen und traue mich nicht, mit deren Rollstühlen zusammenzustoßen. Ich fühle mich angreifbar und instabil in diesem Stuhl und erstaunlicher Weise ist meine größte Angst, rückwärts samt Stuhl umzufallen, vor allem, weil ich überhaupt nicht weiß, wie ich mich dann am besten abfangen würde. Während des Trainings wird mir auch bewusst, wie viel Einfluss mein Körper auf das Spiel hat. Im Gegensatz zu anderen aus der Mannschaft kann ich mich nämlich nach dem Ball strecken oder ihn einfach vom Boden aufheben. Trotz aller Schwierigkeiten macht mir der Sport großen Spaß und die Stimmung ist gut.

Die Halle der Bulls in Elxleben, wo ich mittrainieren durfte
„Wenn das beste Team der Welt einen anfragt, sagt man nicht nein“ 

Nach dem Training setze ich mich mit Hubert an den Spielfeldrand. Er erzählt mir, wie er durch einen Unfall sein rechtes Bein verloren hat und dann zum Rollstuhlbasketball kam. Ursprünglich kommt er aus Wien, ist aber wegen der Thurinigia Bulls nach Erfurt gezogen. Was mich sehr überrascht, ist, dass er erst mit 15 Jahren angefangen hat, regelmäßig Rollstuhlbasketball zu spielen und bereits ein Jahr später schon Teil der österreichischen Nationalmannschaft war. Die österreichische Liga, sagt er, ist nicht gerade die professionellste.

Normalerweise ist er mit Prothese oder Krücken unterwegs, hat zuhause in Wien aber auch einen Alltagsrollstuhl. Nach seiner Matura (Äquivalent zum Abitur) wollte er sich ein Jahr „Pause“ gönnen und sich nur aufs Basketballspielen konzentrieren. Er spielte für ein Jahr in Ulm in der zweiten Liga Basketball. Doch weil sein großer Traum war, einmal in seinem Leben ein paar Minuten in der ersten Liga zu spielen, fing er im darauffolgenden Jahr damit an, anhand einer Doppellizenz auch noch beim Münchner Team in der ersten Liga mitzuspielen. Als er dann bei einem Pokalspiel gegen die Thuringia Bulls spielte, wurde deren Trainer, Michael Engel, auf ihn aufmerksam. Ein Center der Thüringer Mannschaft war gerade verletzt und so wurde Hubert für das Team angefragt. Zwar wollte er anfangs nicht weg von seinen Freunden, „aber wenn das beste Team der Welt einen anfragt, sagt man nicht nein“.  Obwohl ihm sein rechtes Bein fehlt, besitzt Hubert 4,5 Punkte. Wäre sein Oberschenkel um weitere zwei Zentimeter kürzer, wäre er eine 4,0, „dabei helfen mir die ja auch nicht, um meinen Stuhl besser steuern zu können“.

Bis zu 30 Stunden Training in der Woche, plus Studium

Er erzählt, dass er – wenn es sich um eine trainingsintensive Woche handelt – bis zu 30 Stunden in der Halle ist. Darüber hinaus spielt er immer noch mit seiner Doppellizenz bei Ulm und bei internationalen Turnieren für das österreichische Team. Dieses Semester hat er zusätzlich noch angefangen, Erziehungswissenschaften und Sport-/ Erlebnispädagogik an der Universität Erfurt zu studieren. Es ist nämlich die Voraussetzung des Vereins, dass jede:r sich für den Fall einer Verletzung oder fürs Alter ein zweites Standbein aufbaut.
Seinen Lebensunterhalt verdient Hubert bereits mit Rollstuhlbasketball. Dabei ist das Einkommen der Sportler:innen natürlich stark von deren Leistungen abhängig. Matt Scott – einer der weltbesten Rollstuhlbasketballspieler (in den USA auch „der Stephen Curry des Rollstuhlbasketballs“[1] genannt) – hat während seines Vertrags bei den Thuringia Bulls wohl deutlich mehr als Hubert verdient. In der Zeit mit dem Starspieler gab es laut Hubert noch stärkere Hierarchien innerhalb des Teams. Gerade er, der mit Geburtsjahr 1999 zu einem der jüngsten gehört, hätte diese häufig zu spüren bekommen.

Hubert Hager im Trikot der österreichischen Nationalmannschaft

Einige Spieler:innen des Teams wohnen in Wohnungen, die sich in der Halle des Fit Inns befinden. Das sind vor allem die, die aus dem Ausland nach Deutschland gezogen sind. Dort gibt es auch Ferienwohnungen, in denen man als Teil der Mannschaft jederzeit nach einem langen Trainingstag schlafen kann. Zudem erhalten die Spieler:innen extra Leistungen wie einen Physiotherapeuten, einen Koch, der auf Bestellung nach individuellen Wünschen Gerichte zubereitet, die Mitgliedschaft im Fitnessstudio des Fit Inns, Proteinshakes und Kaffee.

Erfurt als Kontrast zu Wien: Schlechte Infrastruktur, dafür „grundsätzliche Nettigkeit“

Auf die Frage, wie ihm Erfurt gefällt, antwortet Hubert zwiegespalten. Es sei schon ein starker Kontrast zu Wien und er hätte einige Zeit gebraucht, um sich zuhause zu fühlen. Vor allem die Infrastruktur und die Straßenführung wären ihm schon in den ersten Tagen negativ aufgefallen: plötzlich endende Gehsteige und nicht-abgesenkte Bordsteinkanten haben ihn anfangs gestört. Hier muss ich ihm zustimmen: Ich selbst rege mich häufig über die Zustände der Fahrradwege auf. Wie muss es dann erst für die Spieler:innen sein, die auf barrierefreie Zugänge angewiesen sind?
Zudem gibt es in Gispersleben, wo ihm die Wohnung vom Verein gestellt wird, nur wenige junge Menschen in seinem Alter: „Ich wohne in Gispersleben am Moskauer Platz, da sagen die Leute häufig es sei eine kriminelle Gegend, in der man aufpassen müsse. Wenn ich aber auf die Straße gehe, ist meine größte Angst von einem älteren Herrn mit Rollator angefahren zu werden“, meint er.
Jedoch seien die Menschen in Erfurt sehr freundlich und zuvorkommend und es herrsche eine „grundsätzliche Nettigkeit“. Auch sei hier das Bewusstsein für Rollstuhlbasketball viel größer als in seiner Heimat: So wird er in Thüringen auch häufiger auf der Straße als Bulls-Spieler identifiziert und angesprochen.
Sein Karrieretraum sei auf jeden Fall, die Champions League zu gewinnen. Ob ihm das gelingt, können wir im nächsten Jahr sehen. Dann werden die Thuringia Bulls nämlich erstmals Gastgeber der Champions-League-Endrunde sein!


[1] Stephen Curry ist ein US-amerikanischer Basketballspieler, der für die Golden State Warriors in der NBA spielt. Er gilt als einer der besten Basketballspieler der Welt.

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