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MinimalKonsens: Ein Raum für Raum in der Galerie Waidspeicher

Im Foyer der Galerie Waidspeicher türmen sich schwarz angemalte Kisten, formen ein fast bis an die Decke reichendes, abstraktes Gebilde. Der erste Eindruck ist groß und imposant, weit entfernt von dem Minimalismus, den der Titel der neuen Ausstellung suggeriert. „Die Kunstform der Minimal Art, die ihren Ursprung in Nordamerika hat, ist in der Ausstellung nur von nebensächlicher Bedeutung“, erklärt Kurator Philipp Schreiner. MinimalKonsens solle eher den kleinsten gemeinsamen Nenner der präsentierten Werke und Künstler:innen ausdrücken, eine Übereinkunft zu einer bestimmten Art, Kunst zu schaffen. In der neuen Ausstellung geht es gleichzeitig um die Nutzung der Räumlichkeiten und die Nutzung von Raum allgemein durch die ausgestellten Werke. Der Untertitel Re:Defining Spaces unterstreicht, dass die Galerie Waidspeicher einen Raum für die Kunst darstellt, im Gegenzug aber auch von ihr definiert werden soll. Nicht nur die Eingangshalle ist deswegen von einem Kunstwerk eingenommen, sondern auch der untere Bereich der Galerie wird durch eins der Werke abgegrenzt.

Minimal Art aus Materialien aller Art

Der Künstler Thomas Prochnow, der die großen Werke speziell für diese Ausstellung neu kreiert und aufgebaut hat, nutzt zumeist Materialien, die er am Ort der Ausstellung findet. In der Galerie Waidspeicher baute er das Gebilde in der Eingangshalle aus Kisten, angepasst an die Deckenhöhe der Galerie, und nutzte für ein weiteres Werk modulare Stellwandsysteme, die – auseinandergenommen und neu zusammengesetzt – die Sicht in den Raum einschränken. Im selben Raum befinden sich auch Werke von Simon Horn. Anders als Prochnow arbeitet der Bildhauer aus Halle an der Saale kleinteilig, seine Werke bilden wilde Konstrukte in Pastelltönen, die nicht das Gefühl des Raumes an sich ändern. Doch die Zusammensetzung der Farben und die wahrgenommene Räumlichkeit innerhalb des Werkes fordern unterschiedliche Betrachtungsperspektiven, um das Werk selbstständig neu in Szene zu setzen. Die Künstler:innen von MinimalKonsens arbeiten zum Großteil mit Holz, aber auch Glas und Papier finden ihre Verwendung. Einzig Cornelia Theimer Gardella nutzt für ihre Textilkunst Naturfasern. Ihre Werke finden Inspiration in der Natur, sind allerdings im Stil der Minimal Art soweit abstrahiert, dass in den Werken wenig von der Natur selbst sichtbar bleibt.

Bild: Dirk Urban

Die Galerie ohne Wände

Entsprechend dem Motto Re:Defining Spaces wird auch der Raum der Galerie für die Ausstellung neu erfunden. Bei der Darstellungsform hat sich Philipp Schreiner gänzlich gegen die Nutzung der Wände entschieden. Die Werke stehen entweder frei im Raum oder an extra aufgebauten Stellwänden und Blöcken. Die auf Glas gedruckten Fotografien von Nora Keilig, auf denen sie das Treppenhaus der Galerie und den bunten Fahrstuhl aufgebrochen und neu angeordnet hat, hängen tatsächlich im Treppenhaus, direkt neben dem Fahrstuhl.

Bild: Dirk Urban

Auch für die Holzarbeiten von Annekatrin Lemke, die ihr Atelier in Erfurt hat, wurde eine zusätzliche Wand angebracht. Die extra aufgebauten Wände sollen in der Galerie, wie die Kunstwerke selbst, ebenfalls das Raumgefühl verändern. An manchen Stellen wirken sie verkleinernd, als würden die Wände plötzlich näherkommen. An anderen Stellen werfen sie ein Muster in den Raum, geben die Möglichkeit, dahinter zu sehen und zu gehen.

Freiluftkunst im Januar

Noch bis zum 30. Januar 2022 lädt MinimalKonsens Besucher:innen ein, zeitgenössische Kunst in der Michaelisstraße 10 bewundern zu können. Im Januar sollen zusätzlich Führungen mit dem Kurator oder den Künstler:innen durchgeführt werden, um das Konzept der Minimal Art näherzubringen und die Arbeit der Künstler:innen zu erläutern. Der Künstler Thomas Prochnow arbeitet außerdem an einer weiteren Kunstinstallation, die allerdings nicht in der Galerie Waidspeicher, sondern ab Januar im Kulturhof des Güldenen Krönbacken vor der Galerie ausgestellt werden soll. Daher lohnt es sich, die kalte Jahreszeit zu nutzen und einen Nachmittag bei MinimalKonsens zu verbringen. Informationen zu den Öffnungszeiten und Führungen findet ihr unter: www.kunstmuseen.erfurt.de oder bei Facebook und Instagram.

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