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Kulinarisches Kollektiv – Freude am Tanzen, Liebe zum Essen

Ein Freundeskreis, der gerne gemeinsam kocht, isst und Musik hört. Was erstmal nach dem Gewöhnlichsten der Welt klingt, hat sich auf Seiten des Kulinarischen Kollektivs zu mehr als einem Abend unter Freunden entwickelt.
Ein Gespräch mit Lina Rohmann und Luca Enk über das, was sie antreibt und meine bescheidene Meinung darüber, wie ein Kollektiv die Erfurter Kulturszene bereichern kann.

Wer im letzten Sommersemester ein bisschen feiern war und sich spätestens beim Campusfest halb besoffen gefragt hat, wer hier eigentlich für die gute Musik verantwortlich ist, wird an ihnen nicht vorbeigekommen sein. Das Kulinarische Kollektiv (KK) gibt es seit nun mehr anderthalb Jahren. Das wussten anfangs nicht viele, denn zu den inoffiziellen Open-Air Veranstaltungen fand man nur, wenn man auch wirklich wusste, wo diese stattfanden. Im letzten Semester folgte dann, was man eigentlich bei keinem Kollektiv erlebt: öffentliche Veranstaltungen auf dem Campus.

After-Study, Campusfest, Semester-Closing

Man fragte sich anfangs vielleicht zurecht, ob es jetzt wirklich ein Campus Kollektiv gäbe, als die Plakatwerbung für ein After-Study Event auf der Wiese vor dem HS7 aushing. Dieser Schritt in eine nicht gerade unumstrittene Öffentlichkeit ist aber ebenso mutig wie notwendig, wenn man die Erfurter Open-Air und Techno Szene für jede*n zugänglich und sichtbar machen will. Das hat das KK gemacht und es hat beiden Seiten gutgetan. „Der Campus an der Nordhäuser wurde wieder ein bisschen mehr belebt“, sagt Lina, beim Campusfest gab es endlich eine Musikauswahl zusätzlich zur großen Hauptbühne und Ende Juli kam man nochmal am Maislabyrinth zusammen, bevor viele in die Semesterferien starteten. Zudem hat das Kollektiv gezeigt, dass bei ihren Veranstaltungen für jeden etwas dabei ist. „Von Techno über Disko hin zu Trash, kommt irgendwie jede*r auf seine Kosten“, fügt Luca an. Das zeigte sich dann also auch beim Hood not Kiez Festival, wo man sich mit dem Klanggerüst erstmals einen relativ großen indoor Ort suchte. Der Plan ging auf, der Andrang war groß und die Stimmung ausgelassen. Auch wenn aus dem versprochenen Obst an der Theke irgendwie nichts wurde.

Kreativität freien Raum lassen

Das KK sieht sich also ungleich anderen bekannten und bestehenden Kollektiven in Erfurt, man stehe auch, aber nicht nur für Techno, so die Beiden. Vielmehr gehe es darum, mit den Aktionen und Veranstaltungen viele diverse Menschen zusammen zu bringen und sich nicht ein Alleinstellungsmerkmal anzueignen. Man begreife sich selbst als heterogene Gruppe bei der jede*r mitmachen, seinen kreativen Eigenanteil leisten kann, ob als Musiker*in, Künstler*in oder Sektflaschenöffner*in. Die Freundschaft und der Spaß, Dinge gemeinsam zu erleben, stehen über anonymen Partys und z.B. einer no-photo policy.

Alles entstand aus einer Sekt-Idee, seine privaten Feiern für alle zu öffnen und zugänglich zu machen, weil man eben als kollegiale Gruppe Spaß daran hat, Feiern zu organisieren. Darüber hinaus sehe man sich nicht nur zweckmäßig hier, zum Studieren, sondern will etwas bewegen, eine gute Zeit haben. Essen ist dabei in gewisser Weise immer ein wichtiger Aspekt, zwar habe man nicht den Anspruch sich auf einen kulinarischen Kreuzzug zu begeben, so Luca, aber gute Snacks und kalter Schaumwein sind doch ein ebenso wichtiger Bestandteil eines guten Abends, wie die Musik selbst. 

Ein Glas Sekt.

Kultur aktiv gestalten

Seinen kulturellen Mehrwert sieht das KK darin, Menschen zusammen zu bringen, zum Tanzen zu bringen. Es sollen Orte der Begegnung geschaffen werden, „Freiräume“, in denen man sich ausleben kann und Spaß haben soll. Mit der Teilnahme an der Erfurter Kulturkarawane positionierte man sich dahin gehend auch, nämlich für mehr Platz für Kultur. „Es geht um die Benutzung von öffentlichen Räumen“, sagt Lina, einem faireren Umgang der Stadt und des Ordnungsamtes mit Kulturschaffenden in der Stadt und dem Eintritt für bestimmte Werte. Das ist wichtig, gerade in Thüringen und Erfurt. Man sei connected mit der städtischen Kulturszene, arbeitet zusammen mit den Mitglieder*innen vom Klanggerüst e.V. und nimmt teil am Erfurter Kulturstammtisch.
Von einer Vereinsgründung ist das KK zurückgewichen, da unklar ist, wie lange diese Konstellation noch bestehen werde. Klar, in erster Linie sind alle Mitglieder*innen Studierende und keiner weiß so genau, was man die nächsten Jahre wo erleben wird. Eine urbane Kulturentwicklung lebt im Wesentlichen von den Menschen, die sie im Moment gestalten, das reicht allerdings nicht immer. Um etwas nachhaltig zu bewegen, braucht es auch bürokratischen Willen, die Gründung eines Vereins macht man nicht mal eben zu Hause am Computer, das braucht Zeit. Diese Zeit ist aber gut investiert, wenn man danach für eine Satzung steht, die sich dem kulturellen und sozialen Engagement in der Stadt verschreibt.

Davon hängt viel ab, Geld für Kulturförderungen auf der einen Seite und auf der anderen Seite eben jene geforderten Eingeständnisse der Stadt und des Ordnungsamtes, wie man sie bei der Kulturkarawane forderte.

Ein offizieller Zuwachs an kulturellem Angebot und Vereinen bedeutet immer auch eine höhere Akzeptanz auf der politischen Seite. Diese gewinnt man nicht mit inoffiziellen Veranstaltungen und geheimen Koordinaten. Ob man das will, muss man natürlich am Ende für sich selbst entscheiden. Was die Zukunft bringt, werde man sehen, ob Campus oder Erfurter Norden, wir als Ungleich-Magazin freuen uns über dieses kulturelle Angebot. Und wer weiß, vielleicht steht ja auch bald schon die erste Ungleich x Kulinarisches Kollektiv Veranstaltung im Kalender.

3 comments

  1. Nette Sache, aber welche Leute sollen denn dort zusammengebracht werden? Die Veranstaltungen sind auf die Stoßzeiten der Studierenden zugeschnitten und wie die gesamte Techno-Szene in Erfurt finden sicj trotz angeblicher „Diversität“ nur die gleichen zugedröhnten weißen Menschen ein, die sich den Abend eben leisten können. Inklusiv in Institutionen für Menschen, die wirklich Abwechslung brauchen, wird nicht geworben. Der Wunsch nach Diversität geht eben auch mit einem inklusiven politischen Anspruch einher und davon ist das KK und die gesamte Techno-Szene in Ef noch meilenweit entfernt.

  2. @Techno: Ich finde ein paar Punkte sind ganz und gar richtig. Man muss auch wenn es einem nicht passt über sowas sprechen. Konstuktive Kritik muss möglich sine und dient dazu eigene Position weiterzuentwickeln.

    @Thomas Du bezihst Diversität nur auf die Hautfarbe der Gäste, finde ich persönlich schwierig, weil in Deutshcland leben nunmal größtenteils Kartoffeln und ja statistisch geseh ngehen deswgen auch eher “Weisse” als people of colour auf Parties. Zu unterstellen alle Nicht weissen können sich diese Parties nicht leisten und alle “Weissen” können das, ist ziemlich verallgemeinernd und schlichtweg nicht wahr. Obwohl ich deinen Kritikpunkt verstehe, nämlich dass Diversität und Inklusion für dich anders aussieht als auf den Partys vom KK.
    Das KK gibts ja auch noch nicht solange viell. muss man auch erst ein Konzept entwickeln, gib den Leuten doch etwas Zeit anstatt gleich die critical whiteness Keule rauszuholen und Farben zu zählen 🙂

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