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Die Notwendigkeit von Glühwein

Die Tage werden kürzer, das Wetter beschissener und die Notwendigkeit, meinem Körper einen schönen, warmen Glühwein zuzufügen, immer größer.

Die Tage werden kürzer, das Wetter beschissener und die Notwendigkeit, meinem Körper einen schönen, warmen Glühwein zuzufügen, immer größer. Diese rote oder weiße Flüssigkeit – dicker, aber auch besser und belebender als Wasser – erfreut sich vorrangig in Mitteleuropa großer Popularität. Glühwein ist das Getränk, das sich auf den Weihnachtsmärkten am besten verkauft.

Gelangt der Alkohol einmal ins Blut, verengen sich die Venen. Faktisch wird uns also nicht nur durch das Trinken eines Heißgetränks warm ums Herz, sondern auch, weil das Blut schneller durch unseren Körper fließt und dadurch der Blutdruck steigt. Es ist der Geruch, es ist der Geschmack, es ist die Wärme – Weihnachten im Magen und Alkoholschiss am Morgen.

Wem können wir diesen Genuss verdanken?

Der Verkauf von Glühwein begann in Augsburg mit Rudolf Kunzmann, der sich im Jahr 1956 dazu entschloss, in seiner kleinen Weinkellerei Wein mit Zucker und Gewürzen zu versetzen, um diesen schließlich in Flaschen abzufüllen. Natürlich war Kunzmann nicht die erste Person, die auf diese glorreiche Idee kam. Schon seit dem 17. Jahrhundert trinken Personen gut und gerne mal eine kleine Tasse heißen Alkohol an kalten Tagen. Kunzmann war lediglich der erste, der diese Praxis kommerziell betrieb. In der ursprünglichen Bedeutung wird Glühwein als auf Glut erhitzter Wein verstanden. Klaro, im 17. Jahrhundert gab es de facto noch keinen Herd, auf dem man dieses Getränk anrühren konnte. Wenn ich ehrlich bin: Würde der Wein heute noch auf Glut erhitzt werden, würde ich diese übertriebenen Preise auf dem Weihnachtsmarkt immerhin verstehen. Im Mittelalter glaubte man dem Ganzen eine gewisse Heilwirkung zuzuschreiben, die der Mensch durch den Konsum des Wundergetränks erfahren sollte. Auch wenn wir den Glühwein nicht mehr auf Glut, sondern auf Induktionsherdplatten erhitzen, die Wunderwirkung sei ihm verblieben.

Was gibt es so für Glühwein und was macht ihn aus?

An den Glühweinbuden hat man mittlerweile die Möglichkeit, zwischen Rot- oder Weißwein zu wählen. Ganz traditionell wird der Glühwein zwar aus Rotwein gemacht, jedoch besteht eine immer größere Nachfrage an Weißwein. Dieser besitzt weniger Gerbstoffe, was ihn fruchtbetonter und leichter macht. Der spezielle Geschmack des Glühweins entsteht durch Gewürze wie Nelke, Sternanis und Zimt sowie durch die Verwendung der weihnachtlichen Zitrusfrüchte Zitrone und Orange.

Inflation und Glühweinpreise

Weihnachten, das Fest der Familie und der Liebe. Winter, die Jahreszeit, in der uns nicht nur die Kälte durch die Knochen geht und das Jahr auf unserem Rücken lastet, sondern auch die Zeit, in der uns die Inflation mal so richtig in den Arsch beißt. Der durchschnittliche Preis eines Glühweins auf deutschen Weihnachtsmärkten schwankt 2023 zwischen drei und sechs Euro.

Sechs Euro sind schon arg viel. Ich mag Glühwein, aber nicht für sechs Euro. Du auch nicht? Ich hab eine Lösung für uns. Schon mal vom Glühweinindex gehört? Mittlerweile gibt es mehrere Plattformen, die diesen anbieten. Der Glühweinindex ist eine tabellarische Datierung, die die Glühweinpreise ausgewählter Städte miteinander vergleicht. Eine dieser Plattformen ist die Website Mobiler Weihnachtsmarkt. Vielleicht sollte man auf solche Recherchen jedoch lieber verzichtet, wenn man sich das Glühweinvergnügen nicht kaputt machen lassen möchte. Der Glühweinpreis in Erfurt sei im Jahr 2022 um dreiunddreißig Prozent (von durchschnittlich 3,13€ in 2021 und auf 4,00€ in 2022) angestiegen. Ich will gar nicht wissen, wie sehr es dieses Jahr in die Höhe geschnappt ist.. Lasst mich doch einfach nur diese Zuckerbrühe süffeln!

Glühwein ist Kulturgut

“Ach, ein Glühwein geht doch noch!” So oder so eine ähnliche Aussage haben wir bestimmt alle schon mal abbekommen. Wahrscheinlich von unserem Opa Klaus. Ja, genau. Von dem Opa, mit dem großen Bierbauch. Der Konsum von Alkohol bezieht eine lange Geschichte. Schon in der Antike brauten die Menschen ihr eigenes Bier. Warum? Der Grund dafür war das kontaminierte Brunnenwasser, das man nicht einfach so hätte trinken können. Außer man forderte das Schicksal heraus. Viel Glück, Maus. Hoffentlich kommst du mit ein paar Magenbeschwerden davon! Anstatt des Ekel-Wassers gab es dann halt leckeres Bier. Heute haben wir (zumindest in Erfurt) gut gefiltertes, trinkbares Leitungswasser. Also weswegen greifen wir immer noch so gerne zum Alkohol? Ich weiß, ich weiß. Doofe Frage. Es fehlt der Rausch.. Andere Kulturen tanzen sich in Extasen und naja, wir trinken halt gut und gerne mal ein oder zwei oder drei Bier.

Der Alkoholkonsum im Mittelalter war um einiges höher als heute. Bier und Wein waren, im Gegensatz zum kontaminierten Brunnenwasser, einfach die sicherere Variante. Pro Kopf wurden jährlich um die 1000 Liter an alkoholischen Getränken konsumiert. Heute sind es nur noch rund zehn Liter Alkohol, die der durchschnittliche Deutsche sich im Jahr den Schlund runterkippt.. (Quelle: Deutschlandfunk: Vom täglichen Rausch zum Dry January. Stand 30.12.2023) 

Trotz dessen sind zehn Liter nicht unbedingt wenig. Wenige Leute wissen, dass Alkoholismus schon im Kleinen anfängt (erkennbare Regelmäßigkeiten, z.B. jeden Abend ein Glas Wein zu trinken, sind Formen des Alkoholismus).

Bedingungsloses Glühweineinkommen

Umgeben von Lichtern und maulenden Menschen hat man die Qual der Wahl zwischen Heidelbeer- oder Erdbeer- oder Kirsch- oder einfach dem klassischen Glühwein. Er füllt Magen und Herz und lässt die Leber arbeiten. Wie die Motten werden sie von der Weihnachtsbeleuchtung angezogen. All die Menschen, die wahrscheinlich schon viel zu viel für ihre Weihnachtsgeschenke ausgegeben haben. All die Menschen, die schon mindestens einen Langós, eine Packung gebrannte Mandeln gegessen und drei Tassen Glühwein hinter gekippt haben, gehen zum nächsten Stand, um sich die Birne wegzusaufen und die Macht des Kapitalismus zu vergessen. Denn die Inflation belastet einen viel weniger mit 1,6 Promille intus.

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