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Ciao Kakao oder hasta la vista

Fast zwei Jahre ist es her, dass wir – die zweite Generation UNGLEICH – das erste Mal Redaktionsluft schnupperten. Die alten Hasen kannten wir lange Zeit nur als Kacheln auf unseren Laptops, wussten wie die Küche manch einer Person aussah, noch bevor wir wussten wie groß Helen und wie klein Annka eigentlich ist. Monatelang bestand unser Mittwochabend daraus, drei Stunden Samuels und Fabis schlauen Worten zu lauschen und Artikelideen zu pitchen, immer ganz gespannt auf Jans phänomenalen Konsumtipp oder Renés phänomenalen Veranstaltungsideen. Ziemlich überrumpelt standen wir dann da als uns die alten Hasen plötzlich das Magazin in die Hände geben wollten. Uff – Überforderung, Freude, Zweifel und jede Menge Tatendrang waren einige der Emotionen, die die ersten Wochen prägten.

Wir haben seitdem alles in unserer Macht Stehende getan, um das UNGLEICH Magazin gebührend weiterzuführen. Gleich zu Beginn gab es ein neues Social Media-Design, später die UNGLEICHmap. In unseren Artikeln ging es um politisch und gesellschaftlich wichtige Themen wie Klimaschutz, die Initiative Decolonize Erfurt, sexualisierte Gewalt am Campus, den Krieg gegen die Ukraine und die finanzielle Lage der Uni. Nina hat erstmals Sport einen Platz im Magazin gegeben und über Rollstuhlbasketball und Thüringer Wintersport berichtet, Alice ist in die Kunstszene eingetaucht, Johann und Johann haben mit Thoska und Thermoskanne Thüringen für uns entdeckt. Annika und Johanna haben eine längst überfällige Hymne an den Sekt geschrieben. Katha hat sich in ihrer Reportage in den Alltag einer obdachlosen Person eingefühlt, Tanika hat sich mit queerem Leben in der Landeshauptstadt beschäftigt und Chiara hat für uns die kleinen liebevollen Buchläden Erfurts ausfindig gemacht.

An unserem zweijährigen Jubiläum haben wir dank eurer tatkräftigen Unterstützung Ramelows geliebten Hund Attila wiedergefunden (Renés Traum, Attila für eine Runde Gassi auszuführen, hat sich dabei leider immer noch nicht erfüllt). Und nach einem viel zu langen #Kulturkoma konnten wir nicht nur die ODD DIVERSITY 3.0, sondern ein Jahr darauf auch 4.0 in der Barfüßerruine feiern – wie in alten Zeiten als Open Air Veranstaltung und ohne Maske. Die Redaktionssitzungen sprudelten vor Kreativität, Euphorie, Liebe und ja, manchmal auch vor Stagnation.

In diesem Jahr haben wir das erste Mal den Geburtstag des Magazins so richtig gefeiert. An der Kleinen Rampe, bei geiler Mukke mit ganz viel Sekt-Mate und euch zusammen. Wir können es selbst kaum glauben, aber we can proudly say: Das UNGLEICH ist drei geworden.

Kunstwerk vom Jubiläum.

Irgendwie alles beim Alten 

Bei all dem haben wir stets das ordentliche Chaos unserer Vorgänger*innen beibehalten. Spontanität und Last-Minute-Lösungen gehörten genauso zur Organisation einer Veranstaltung wie die obligatorische Flasche Sekt zum Anstoßen, wenn dann mal wieder alles gut ging. Und auch bei uns war der Kopf vielmals schneller als die Feder: Wir haben Ideen so oft auf die lange Bank geschoben bis wir die Sammlung mit Artikelideen von „Lange Bank“ in „Ganz lange Bank“ und schließlich in die „Längste Bank“ umtauften. Neben zahlreichen unvollendeten Artikel-Ideen steht auch eine nicht unbeachtliche Anzahl an Betriebsausflügen aus – darunter der Besuch eines Basketballspiels der Thuringia Bulls, Waffelessen bei Quandt oder eine Führung durch die Sektkellerei Rotkäppchen. 

Redaktionsstühle frei für UNGLEICH Generation drei

Wir haben UNGLEICH weitergeführt, verändert, zu dem gemacht, was es für uns sein sollte. Egal wie, UNGLEICH hat für uns Erfurt gemacht, sowie Erfurt UNGLEICH gemacht hat. Wir haben die Stadt von einer ganz neuen Seite entdeckt; Menschen, Orte, Projekte und Institutionen kennengelernt – Begegnungen, die ohne das Magazin nicht zustande gekommen wären. Wir haben Missstände und Herausforderungen, aber viel mehr noch das Potential von Erfurt gesehen und versucht, es auch für euch sichtbar zu machen. Wir haben gesehen, wie viele großartige, inspirierende Kulturschaffende und engagierte Menschen es in Erfurt gibt. Wir haben in diesen zwei Jahren das Magazin geprägt, aber noch mehr es uns. Und bei all dem hoffen wir, dass wir einem der Ziele dieses Magazins gerecht werden konnten: der Erfurter (Sub-)Kultur eine Stimme zu geben. Die Fußstapfen der UNGLEICH-Gründer*innen waren groß – wir haben sie versucht auszufüllen und an der ein oder anderen Stelle sicher auch eigene Spuren hinterlassen. Leider ereilt uns dasselbe Schicksal wie schon die Generation vor uns: berufliche und akademische Umstände führen unsere Wege (vorerst) weg aus Erfurt – nach Hamburg, Stuttgart, Sevilla, Beirut. Und jetzt ist es auch für uns an der Zeit, das Magazin weiterzugeben.

Ganz fettes Danke an die alten Hasen, für euer Vertrauen und euer stets offenes Ohr. Ihr habt uns besucht, wart (fast) immer erreichbar, manchmal vielleicht genervt. Ihr glaubt es wahrscheinlich noch weniger als wir, wie schnell die Zeit vergeht und wie ihr nun schon zu “Großeltern” eurer eigenen Idee werdet. 

Wir sind unglaublich stolz und dankbar, dass wir das Magazin nun an die dritte Generation UNGLEICH übergeben können und sind ganz gespannt auf alles, was kommt. 

Und natürlich ganz viel Liebe an euch – alle, die UNGLEICH unterstützen, an den Redaktionssitzungen teilnehmen, unsere Artikel lesen, uns Anregungen, Komplimente und Kritik geben und unsere Veranstaltungen zu dem machen, was sie sind.

An dieser Stelle nehmen wir doch einmal die weisen Worte der alten Hasen in den Mund, weil auch wir in der gleichen Situation stecken und man es kaum besser sagen könnte: „Erfurt wird für immer der Ort bleiben, in dem wir uns alle bisher am wohlsten gefühlt und in den wir uns ein bisschen verliebt haben. Trotzdem haben wir es nicht geschafft, uns zumindest eine kurzzeitige Lebensperspektive in Erfurt aufzubauen.“ Aus diesem Grund sagen auch wir jetzt Ciao Kakao und GaLiGrü – wobei wir uns sicher sind, dass ein hasta la vista, baby doch passender ist.

Viel Liebe,
Eure Küken, die UNGLEICH-Generation 2.0

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